Dänisches Hundegesetz seit 2014 entschärft

Umstrittene Gesetze in Dänemark wurden korrigiert

Bild: Hund sitzt vor Haustür - Ferienwohnungen und Ferienhäuser finden
Bild: © javier brosch / Fotolia

Themen: Infos zur Entschärfung der Hundegesetze in Dänemark im Jahr 2014.


Details zur früheren Hundegesetzgebung

 

Seit 1. Juli 2014 können viele Urlauber mit Hund  durch das geänderte Hundegesetz wieder etwas unbesorgter nach Dänemark fahren. Streunende Hunde sollen dadurch besser geschützt werden und bei Fällen von Bissverletzungen können Hundebesitzer nun die Einschätzung eines Sachverständigen einfordern. Das existierende Verbot gegen die Einreise von 13 Hunderassen (sogenannte Listenhunde) bleibt allerdings ohne Änderung bestehen.

 

Bei Bissverletzungen sollen Sachverständige hinzugezogen werden

Hunderechte wurden gestärkt © Quasarphoto / Fotolia

Die wichtigsten Änderungen betreffen den sogenannten Bissverletzungsparagraphen („skambid“) Früher konnten in Dänemark in schwerwiegenden Fällen Tiere ohne gutachterliche Prüfung beschlagnahmt und eingeschläfert werden.

Auch wenn das Gesetz bisher angeblich keine solchen drastischen Sanktionen für die Hunde von Touristen zur Folge gehabt haben soll, sorgte die bisherige Regelung speziell bei deutschen Touristen zurecht für Proteste und auch für Stornierungen von Ferienaus-Buchungen.

Inzwischen gilt: Ein Sachverständiger soll darüber entscheiden, ob der Vorfall so schwerwiegend gewesen ist, dass das Tier getötet werden muss. Diese Änderungen bedeuten nach Ansicht der dänischen Botschaft, dass Hundebesitzer keine Angst haben müssen, wenn ihr Hund heftig gespielt oder sich verteidigt hat, als er sich angegriffen fühlte. Nach dem dänischen Hundegesetz sollen Hunde eingeschläfert werden, wenn sie einen Menschen oder einen anderen Hund anfallen und ihnen Bissverletzungen zufügen. Eine neue, präzisere Definition einer solchen Bissverletzung beschreibt, welche physischen Schäden auftreten müssen, bevor man überhaupt von einer Bissverletzung sprechen kann.

„Natürlich sollen Hunde nicht beißen und es muss die Möglichkeit der klaren Sanktionen geben, wenn dies passiert. Aber Situationen, wo Hunde eingeschläfert werden, weil sie beispielsweise im Spiel einen anderen Hund gebissen haben, dürfen niemals entstehen“, sagte dazu Dan Jørgensen, der Minister vom zuständigen Ministerium für Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei

Fehler in der praktischen Umsetzung der Gesetze in Dänemark sind offensichtlich nicht ausgeschlossen. In Dänemark wurde im Herbst 2014 der Hund Basse von der Polizei eingeschläfert, ohne dass die Besitzer, wie gesetzlich festgelegt, vor Gericht Einspruch einlegen konnten  Die Tötung geschah offensichtlich nur "auf Verdacht", denn der Tierarzt konnte weder bestätigen noch widerlegen, dass der Hund einer illegalen Rasse oder einer ihrer Kreuzungen angehört. Die Polizei entschuldigte sich und bestätigte, dass man gegenüber der Hundebesitzer vergessen hatte, die Einspruchsmöglichkeit zu erwähnen. Wer bezüglich solcher Fälle das Restrisiko für seinen Vierbeiner für zu hoch hält, sollte weiterhin Alternativen wie die deutsche oder niederländische Küste als Reiseziel in Betracht ziehen.

 

Auch dänischer "Streuner-Paragraph" wurde entschärft

Eine weitere Änderung im Feld- und Weggesetz sieht vor, dass es Grundbesitzern nicht länger erlaubt ist, auf einen Hund zu schießen, der auf ihrem Land herum streunt. Hundebesitzer riskieren dagegen ein Bußgeld von bis zu € 270, wenn ihr Hund zum wiederholten Mal auf einem fremden Grundstück angetroffen wird.

 

Druck durch deutsche Urlauber und Ferienhaus-Anbieter hat gewirkt

Dänischer Hafen in Kopenhagen mit Flagge

Bild: Kopenhagener Hafen © swisshippo / Fotolia

Die neuen gesetzlichen Regelungen sollen dänischen Hundebesitzern und ausländischen Touristen gleichermaßen dienen. Doch ganz klar scheint vor allem das Bestreben, ausländischen Touristen das nötige Vertrauen und die Sicherheit vermitteln zu wollen, ihren Hund mit in den Urlaub nach Dänemark zu nehmen.

Die dänische Medienöffentlichkeit, Tierschützer und nicht zuletzt Hunde-Urlauber und die Tourismusbranche haben mit Ihrer Besorgnis und Ihrem Unmut über die bisherigen gesetzlichen Regelungen diese Änderungen erzwungen.

Dabei scheint sich speziell der wirtschaftliche Druck durch Buchungsrückgänge in den letzten Jahren (die sicher nur teilweise auf das Gesetz zurückzuführen sind) und das daraus resultierende Intervenieren der wichtigen dänischen Tourismus-Industrie sich gelohnt zu haben. Schätzungen zufolge soll das frühere Hundegesetz Dänemarks Ferienhaus-Anbieter durch Buchungsrückgänge bis zu 60.000 Übernachtungen pro Jahr "gekostet" haben.

(Alle Angaben ohne Gewähr)

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Rückblick auf die bisherige Entwicklung der Hundegesetzgebung in Dänemark

Das Hundegesetz aus dem Jahr 2010 beinhaltete unter anderem ein Verbot von 13 konkreten Hunderassen und eine Bestimmung darüber, dass Hunde eingeschläfert werden müssen, wenn sie Menschen oder anderen Hunden Bissverletzungen zufügen.

Mit dem Gesetz zur Hunde- und Tierhaltung wurde die Reihe von Listenhunden (ugs. Kampfhunde) erweitert, deren Haltung, Zucht und Einfuhr nach Dänemark nicht erlaubt ist, wenn sie vom Besitzer nach dem 17. März 2010 angeschafft wurden:

Amerikanische Bulldogge, Amerikanischer Staffordshire Terrier, Boerboel, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Kangal, Pitbull Terrier, Tosa Inu, Zentralasiatischer, Kaukasischer und Südrussischer Ovtcharka, Tornjak und Sarplaninac sowie Kreuzungen dieser Hunderassen.

Das Gesetz betrifft jedoch ebenfalls Mischlinge als Kreuzung der verbotenen Rassen. Dabei kann es bisher bereits ausreichen, wenn ein Hund äußerlich einer Listenhund-Rasse ähnelt. Die Besitzer müssen den Beweis erbringen, dass ihr Hund nicht dieser Hunderasse angehört, bei Mischlingen ohne Zuchtpapiere kein leichtes Unterfangen.

Wenn der Hund einer Rasse angehört, die dem Verbot unterliegt, konnte die Polizei nach bisheriger Rechtslage die Entscheidung treffen, den Hund einzuschläfern.

 

Stand März 2013 - die dänische Politik reagiert: Am 7. März 2013 veröffentlichte die dänische Ministerin für Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei, Mette Gjerskov, Änderungsvorschläge für ein neues Hunde-Gesetz. Die neuen Vorschläge zielen darauf ab, eine angemessene Balance zu finden, die sowohl Rücksicht auf das jeweilige Haustier und den Haustierbesitzer nimmt sowie auf die Personen, die sich eventuell von dem Tier bedroht fühlen. Als Teil des neuen Hunde-Gesetzespakets plädiert die Ministerin für eine Evaluierung des Hundegesetzes aus dem Jahr 2010. Die Evaluierung wird im Laufe des Jahres 2013 stattfinden, wonach ein Gesetzesentwurf und eventuelle Änderungen des Hundegesetzes verabschiedet werden sollen. Bis dahin gilt weiterhin das bisherige Hundegesetz aus dem Jahre 2010.

Die dänische Polizei wird im Sommer 2013 mit der Aussage zitiert, dass keine deutschen Hunde
aufgrund des dänischen Gesetzes eingeschläfert worden seien.

 

Stand März 2014 - Änderung in Sicht - Laut einer Pressemeldung, die sich auf Ministeriumsangaben aus Kopenhagen bezieht, ist eine zeitnahe Änderung des dänischen Hundegesetzes in Sicht. Demnach sollen Hundehalter, deren Vierbeiner durch Beißattacken aufgefallen sind und deshalb eingeschläfert werden sollen, in Zukunft einen Experten zur Begutachtung hinzuziehen dürfen. Dieser Sachverständige müsse dann entscheiden, ob der Vorfall so schwerwiegend gewesen sei, dass das Tier getötet werden müsse. Auch das dänische Feld- und Weggesetz, das es erlaubt, streunende Hunde und Katzen auf ihrem Grundstück zu erschießen, soll in diesem Zusammenhang geändert werden.

 Mehr Infos zur bisherigen Hundegesetzgebung aus 2010 in Dänemark

(Alle Angaben ohne Gewähr)

 

Stand Juni 2014 - Gesetz wird zum 1.7.2014 geändert. Die dänische Öffentlichkeit, einheimische Medien und nicht zuletzt Hunde-Urlauber und die Tourismusbranche scheinen mit Ihrer Besorgnis und Ihrem Unmut über die bisherigen gesetzlichen Regelungen zumindest Teilerfolge zu erreichen. Gesetzesänderungen werden endgültig im Parlament verabschiedet.

Die schönen langen Strände in Dänemark sind gerade im Sommer-Halbjahr ein absoluter Lichtblick im Vergleich zum oft reglementierten Strand-Zugang für Hunde in anderen Ferienländern. Es wäre schön, wenn bald noch mehr Hundebesitzer als bisher die dänische Küste mit Ihren Vierbeinern entspannt und mit Freude genießen könnten. Wir veröffentlichen an dieser Stelle regelmäßig Neuigkeiten zum Thema.

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